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Neuer freiwilliger Dienst

Die Gesellschaft wieder stärken

Sie kam wie aus dem Nichts, die Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht.
Entsprechende Forderungen haben allerdings geringe Chancen. Anders sieht es mit einem
aktuellen Vorschlag der Verteidigungsministerin aus. 

 

Fast zehn Jahre ist es nun her, dass die Wehrpflicht in Deutschland – und mit ihr der Zivildienst – abgeschafft wurde. Zahlrweiche Gründe wurden damals ins Feld geführt. Die Bundeswehr hatte sich längst zu einer Hightech-Truppe von Spezialisten entwickelt, deren Bedarf an jungen Wehrpflichtigen sich in Grenzen hielt. Nur einen gewissen Prozentsatz der jungen Menschen ­eines Jahrgangs einzuziehen, konnte auf Dauer keine Alternative sein, das widersprach der Wehrgerechtigkeit. Doch auch die gesellschaftliche Debatte vor zehn Jahren sprach für ein Ende der Wehrpflicht. Im internationalen Vergleich, so meinte man damals, standen junge Deutsche dem Arbeitsmarkt viel zu spät zur Verfügung. Auch deshalb hieß es über alle Parteigrenzen hinweg: Schluss mit dem Wehrdienst!

 

Initiative der Wehrbeauftragten 

Die neue Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) findet, dass die Abschaffung der Wehrpflicht „ein Riesenfehler“ war – was sich nun auch darin zeige, dass sich Rechtsextremismus in der Bundeswehr ausbreite. Sie spielte damit auf verfassungsfeindliche Strukturen und Netzwerke in der Spezialeinheit KSK an. Nach Auffassung von Högl könne es der Bundeswehr nur guttun, wenn wieder eine buntere Schnittmenge der Gesellschaft in der Truppe Dienst tue. Rechtsextremes Gedankengut könne sich dann nicht so leicht entfalten.

Högls Vorschlag stieß auf breite Ablehnung, sogar
in ihrer eigenen Partei. Die Bundeswehr verfüge für
eine Wiedereinführung über keine Unterkünfte, kein Material und auch keine Ausbilder; die Kreiswehrersatzämter seien aufgelöst worden. Vor allem aber würden Wehrpflichtige nicht mit der KSK in Berührung kommen – wie sollten sie also in der Lage sein, dort rechte Tendenzen einzudämmen?

 

„Dein Jahr für Deutschland"

Die Debatte war jedoch entfacht. Aus irgendeinem Ärmel zog Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) plötzlich das Konzept für einen neuen Freiwilligendienst. Er soll eine Art Alternative und Ergänzung zum Freiwilligen Wehrdienst sein, den es auch nach dem Ende der Wehrpflicht immer noch gibt und der bis zu 23 Monate dauern kann. Kramp-Karrenbauers Pläne sehen eine Art Testausbildung bei der Bundeswehr vor. Jugendliche sollten heimatnah sechs Monate eine militärische Grundausbildung durchlaufen, an die sich dann weitere sechs Monate Reservedienst anschließen. Nach Abschluss des Jahres kann man unter anderem Soldat(in) auf Zeit werden. Eine Werbekampagne ist bereits angelaufen – die ersten Dienste sollen 2021 beginnen!

„Dein Jahr für Deutschland“ heißt das neue Angebot. Es soll nicht nur bei der Bundeswehr geleistet werden
können, sondern etwa auch in der Pflege, der Umwelthilfe oder bei der Feuerwehr.

 

Gegen die Ego-Gesellschaft

Schon Eva Högl hatte bei ihrem Plädoyer für die Wehrpflicht daran gedacht, den Gemeinsinn an sich zu stärken. Hier könnten in der Tat eine große Chance liegen. In einer Zeit, in der sich die Ego-Gesellschaft zunehmend ausbreitet, jeder nur noch auf den eigenen Vorteil bedacht ist und der Staat bitte schön „liefern“ soll wie ein Pizzabringdienst, kann es befreiend sein, den Spieß einmal umzudrehen. Vielleicht kommt mit dem neuen Freiwilligendienst eine Mentalität zurück, die weiß, dass man nicht nur nehmen darf? Das Geben, der Einsatz für die Gesellschaft, darf nicht zu kurz kommen. 

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