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Fitness bei Jugendlichen
Schulsport in der Krise
In der Regel drei Unterrichtsstunden Sport pro Woche – das ist die Vorgabe der Kultusministerkonferenz.
Die Realität sieht jedoch oft anders aus, mit erschreckenden Ergebnissen. Die Fitness bei Kindern und Jugendlichen ist oft in einem miserablen Zustand. Das müsste nicht so sein.
Beim Thema Schulsport scheiden sich schnell die Geister. Für manche Schülerinnen und Schüler ist der Sportunterricht eine Oase im grauen Schulalltag, das einzige Fach, das sie wirklich mögen. Aber sehr viele Kinder und Jugendliche verdrehen auch nur ihre Augen, wenn sie auf den Sportunterricht angesprochen werden. Zu viel Drill, alles mit Stoppuhr und Maßband, demütigende Übungen an komplizierten Geräten wie dem Stufenbarren. Manche Sportlehrer werden kritisch gesehen, da sie die Asse in ihrer Klasse hemmungslos bevorzugen.
Sportstätten weisen Mängel auf
Vieles läuft eindeutig falsch. Es fängt schon damit an, dass der Sportunterricht im gewünschten Umfang oft gar nicht stattfinden kann. Die drei Unterrichtsstunden Sport, die die Kultusministerkonferenz vorsieht, ist vielerorts Illusion. Zum Beispiel in Berlin, wo viele Sporthallen nicht nutzbar sind – wegen Baufälligkeit, Sanierungsstau oder Fremdnutzung. Auch in Köln weisen 80 Prozent der Sportstätten zum Teil ernste Mängel auf. Bundesweit gilt dies auch für zahlreiche Hallenbäder, so dass der Schwimmunterricht zurückgefahren werden muss.
Dazu kommt das Problem des Lehrkräftemangels. Sportwissenschaftler schlagen Alarm, weil so viel Unterricht ausfällt. Das Personal sei teilweise fachfremd und gar nicht für Sportunterricht ausgebildet.
Veraltete Methodik
Die Methodik des Sportunterrichts ist außerdem in zu vielen Fällen veraltet. Wenn Schüler*innen immer wieder die gleichen Übungen ausführen müssen, wirkt dies demotivierend. Eine fehlende Individualisierung und ein zu stark auf Technik ausgerichteter Unterricht lässt Spaß gar nicht erst aufkommen. Liegestützen und Klimmzüge – immer noch reichlich im Angebot – tragen dazu auch nicht bei.
Zu wenig Bewegung
Weitaus wichtiger wäre es, die Jugendlichen möglichst viele Sportarten und ein breites Spektrum an Bewegungsabläufen erfahren zu lassen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt 60 Minuten Bewegung am Tag, doch dieses Ziel ist momentan unrealistisch. Das sogenannte „Bewegungs-Zeugnis“ attestiert Kindern und Jugendlichen in Deutschland nur noch die Note 4 minus. Sportliche Aktivitäten in der Jugend sind für ein späteres gesundes Leben unverzichtbar, wie Studien zeigen. Hier hätte der Schulsport eigentlich eine wichtige Aufgabe.
Wie geht es besser?
Ist bei all den Problemen aber überhaupt Besserung in Sicht? Es gibt gute Ansätze! An mehreren Schulen im Saarland wird zum Beispiel ein Konzept namens „Sportbewegte Schule“ erprobt, das Bewegung in den Schulalltag integriert. Die Schülerinnen und Schüler werden ausdrücklich ermuntert, sich in den Pausen zu bewegen, dürfen zu dem Zweck auch die Turnhalle nutzen. Und was Bewegung ist, definiert jeder selbst. Vielleicht wilder Tanz zu guter Musik? Andere Ideen sehen Schulhöfe mit Basketballkörben oder sogar Kletterwänden vor. Lokale Unternehmen spenden Tischtennisplatten – oder aber die Kinder selbst verdienen sich das Geld für Neuanschaffungen durch Sponsorenläufe. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.




