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Experiment in Finnland

Schulfächer werden abgeschafft

Experiment in Finnland

In Sachen Schule und Bildung sind die Finnen die Musterknaben Europas. Kaum eine PISA-Studie zum Thema Unterrichtsqualität oder Chancengleichheit, bei dem die Skandinavier nicht sämtliche Pokale abräumen. Nun verblüffen Bildungsexperten aus Helsinki mit einer neuen Idee: klassische Schulfächer wie Mathe, Englisch oder Geschichte sollen abgeschafft werden. Erste Tests sind vielversprechend. 

 

Wer an PISA denkt, also an die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführten Schulleistungsuntersuchungen, denkt sofort auch an Finnland. Denn das kleine Land im Norden Europas schnitt bei den Studien immer sehr gut ab. 15-jährige Finnen konnten z. B. im Jahr 2000 besser lesen als die Schüler aller anderen OECD-Staaten; und auch in Mathematik und in den Natur-wissenschaften belegten sie Spitzenplätze.

Man führte dies unter anderem auf die ganztägige Gesamtschule zurück, in der Kinder einer Jahrgangsstufe lange zusammenbleiben und nicht nach Schulformen wie Haupt- oder Realschule getrennt werden. Eine Selbstverständlichkeit im Land der tausend Seen sind auch gut ausgestattete Klassenräume, Sozialarbeiter und Krankenschwestern an der Schule – und der Anspruch, jedes Kind individuell zu fördern.

Frontalunterricht ade

Aber die Finnen ruhen sich auf ihren Erfolgen nicht aus. »Wir müssen unser Bildungssystem dringend überdenken, so dass es unsere Kinder besser auf das Leben von morgen vorbereitet«, sagte die Bildungspolitikerin Marjo Kyllönen schon vor einigen Jahren. »Es gibt immer noch Schulen, die so unterrichten wie vor hundert Jahren. Das kann den Anforderungen im 21. Jahrhundert nicht genügen.«

Konkret heißt dies: Finnland denkt sehr ernsthaft über die Abschaffung der Schulfächer nach. Anstelle klassischer Disziplinen wie Mathematik oder Englisch sollen bald Themenblöcke, sogenannte »Phänomene«, unterrichtet werden. Eine Botschaft dieses Modells lautet »Frontalunterricht ade«, denn die Schüler sollen Themen gemeinsam erarbeiten und viel stärker als heute üblich miteinander kommunizieren. Das sture Auswendiglernen und Pauken von Fakten ist nach Ansicht der Finnen nicht mehr zeitgemäß.

Auf dem Stundenplan: »Cafeteria«

Auf dem Stundenplan könnte z. B. ein »Phänomen« namens »Cafeteria« stehen, das allerdings nicht die Aufforderung beinhaltet, sich zurückzulehnen und Kaffee zu schlürfen. Stattdessen geht es darum, bestimmte Elemente der Mathematik ganz anders zu vermitteln, nämlich am Beispiel von Lebensmittelmengen, Trinkgeldern oder Rechnungen. Gleichzeitig werden auch Fremdsprachen wie Englisch trainiert, denn man simuliert den Umgang mit ausländischen Kunden in der Cafeteria – sicher keine schlechte Idee angesichts der fortschreitenden Globalisierung der Welt.

Ein anderes Projekt könnte »Zweiter Weltkrieg« heißen, wobei nicht trocken Daten heruntergebetet werden, sondern sich mathematische, geografische und historische Perspektiven ergänzen. Auch »Europäische Union« verbindet verschiedene traditionelle Fächer miteinander, hier vor allem Geschichte, Erdkunde und Wirtschaft. Die Lehrer, die einst für diese Disziplinen ausgebildet wurden, arbeiten bei der Vorbereitung der »Phänomene« eng zusammen – auch hier wird also Teamgeist großgeschrieben. 

Zunächst für Schüler ab 16 Jahre

Das neue System soll zuerst bei Schülern ab 16 Jahren angewendet werden. Ziel ist es, dass die älteren Schüler selbst die »Phänomene« wählen, die ihnen im Hinblick auf ihre kurz darauf anstehenden Berufs-entscheidungen am sinnvollsten und interessantesten erscheinen. Die Selbständigkeit der Schüler soll durch das neue System also ebenfalls gestärkt werden. Später sollen auch jüngere Schüler in den Genuss der Reform kommen – die nach erfolgreichen Tests ab 2020 umgesetzt wird.

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