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Berufe unter der Lupe: Segelmacher/-in

Ohne vollen Einsatz droht Flaute

Beruf: Segelmacher

Du willst auf keinen Fall zu diesen Leuten gehören, die um neun im Büro aufkreuzen und um fünf den Bleistift fallen lassen? Du wirst garantiert nicht denselben Beruf wie deine Eltern ergreifen, aus purem Mangel an Fantasie? Du weißt, dass du deinen eigenen Weg finden möchtest? Dann bist du hier richtig, denn für dich präsentieren wir in einer lockeren Reihe interessante Berufe abseits des Mainstreams.
Hier: SEGELMACHER/-IN


Kauschen? Reffleinen? Blauwasser? Wer sich mit einem Segelmacher unterhält, wird schnell feststellen, dass die Branche eine sehr spezifische und mitunter fantasievolle Fachsprache entwickelt hat. Werner Fritz, Firmeninhaber eines Meisterbetriebes in Prien am Chiemsee, weiß, wie wichtig es ist, den Slang zu beherrschen. Andernfalls können mögliche Geschäftspartner argwöhnisch werden oder sogar das Vertrauen verlieren. »Ein Kunde merkt nach allerspätestens fünf Minuten, ob du von dem Metier etwas verstehst«, sagt Fritz.


Und enge Kundenorientierung ist wichtig? 
Werner Fritz: Die ist in diesem Beruf eher noch wichtiger als in anderen Branchen. Idealerweise fängst du schon als Jugendlicher mit dem Segeln an. Segeln, segeln, segeln – wann immer es deine Zeit erlaubt. Und wenn du dann im Betrieb in der Verantwortung stehst, segelst du auch mal mit Kunden; das gehört zu diesem Geschäft dazu. Man kann es aber auch sehr positiv sehen. Hier greifen Hobby und Beruf noch ineinander.

 

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Womit genau beschäftigen sich Segelmacher? 
Das ist von Betrieb zu Betrieb durchaus verschieden. In unserer Firma konzentrieren wir uns ganz auf Segel – wie es die Berufsbezeichnung ja auch sagt. Genauer gesagt fertigen wir zum Großteil Segel für Regattasegler, aber auch Segel für Cruiser / Racer und reine Fahrtenyachten nehmen einen beachtlichen Anteil unserer Produktion ein. Wir liefern für alle gängigen Bootsklassen, z. B. Star, Soling, Drachen, H-Boot etc. Von der Größe her ist es etwas limitiert, aber Segel bis zu einer Mastlänge von 18, 19 Metern sind kein Problem für uns. Andere Betriebe fertigen alles von Persenningen, Gartentischabdeckungen, Beschattungen, also Sonnenschutz, bis hin zu Maßanfertigungen für Yachten. 

 

Aus welchem Material bestehen Ihre Segel?
Hinter Ihnen an der Wand sehen Sie einige der Gewebe, die für Segel zum Einsatz kommen können. Das bespricht man jeweils sorgfältig mit den Kunden, fragt sie, für welchen Zweck sie ein Segel brauchen, also wo genau es zum Einsatz kommt. Die meisten Segel sind aus sehr festen Polyestergarnen, die in Bezug auf Webtechnik, Härtegrad etc. variieren können. Aber es gibt auch Laminatsegel mit leichterem Gewicht, Produkte aus Carbon und noch manches mehr. Auszubildende, die sich für diesen Beruf entscheiden, müssen sich auf jeden Fall intensiv mit Materialkunde beschäftigen.


Wahrscheinlich hat die Digitalisierung auch vor diesem Beruf nicht Halt gemacht?
Absolut, der Computer erleichtert mittlerweile vieles. Mit Hilfe der CAD-Technologie kann man Segel millimetergenau zuschneiden. Früher war es gar nicht so einfach, Nachwuchs zu finden, der schon ein paar Kenntnisse auf diesem Gebiet mitbrachte, aber heute (lacht) ist es genau umgekehrt. Viele sind erst einmal überrascht, wie wichtig die handwerkliche Seite des Berufs noch ist.


Bleiben wir kurz noch bei der modernen Technologie. Betritt man Ihren großen Zuschneideraum, fällt das Auge sofort auf eine Riesenmaschine ...
... ja, das ist ein Lasercutter, der für unsere Arbeit unentbehrlich ist. Die größte Fläche nimmt der Vakuumtisch ein, auf den das Tuch, in dem Fall aus Dacron, liegt. Der Tisch ist in der Lage, das Tuch voll-flächig anzusaugen, damit es faltenfrei bleibt. Der Cutter schneidet das Material dann exakt nach unseren, im Computer designten Wünschen zu. Bis man mit der Software richtig klarkommt, dauert es übrigens eine Weile.


Welche handwerklichen Tätigkeiten spielen die größte Rolle? 
Die meisten Segel bei uns werden genäht. Kleben kommt bei bestimmten Materialien durchaus vor, aber es gibt da auch immer das Problem mit den Lösungsmitteln, um das man versucht, einen Bogen zu machen. Die Arbeit an der Nähmaschine ist daher für Segelmacher täglich Brot. Die Spezialmaschinen hier im Betrieb sind allerdings nicht mit den Geräten zu vergleichen, wie sie Hobbyschneider verwenden. Sie können mit Strom und Pressluft betrieben werden, haben einen Durchgang von 110 Zentimetern. Am Ende werden Fenster, Nummern, Kennzeichen etc. angebracht, und es wird noch nachjustiert. Dann kann man die Segel zusammenrollen, verpacken und verschicken. Insgesamt besteht der Job aus viel Bodenarbeit!  


Die heftigste Zeit für Segelmacher ist vermutlich immer der Sommer?
Es geht schon im Februar los; bis Mai haben wir dann volles Programm. Die Segler sitzen dann schon in den Startlöchern, können die Saison kaum noch erwarten. Um die Zeit kommen viele Aufträge. Danach lässt die Terminhatz wieder etwas nach.


Wirken sich wirtschaftlich schwächere Zeiten auf Ihre Branche besonders stark aus? 
Da sind wir normalerweise nicht so sehr betroffen wie z. B. die Bootsbauer. Denn Segel müssen ja auch mal ersetzt werden, die halten je nach Produkt zwischen drei und zehn Jahren. Daneben führen wir auch Reparaturen aus, ein nicht ganz unwichtiger Teil des Geschäfts. Generell gilt natürlich, dass du den Markt immer gut beobachten musst. Wir fragen uns ständig: Welche Bootsklassen sind wirtschaftlich interessant?


Noch einmal auf den Punkt gebracht: Was muss ein Azubi mit-bringen, damit er sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt und später im Beruf Erfolg hat? 
Er oder sie muss mit dem Segeln vertraut sein, ganz wichtig. Wenn du nicht segelst, magst du vielleicht Segel zusammennähen können, aber letztendlich weißt du nicht, was du da machst. Die Kombination aus Handwerk, Hightech und Präzision sollte eine Herausforderung sein, der man sich gerne stellt. Und vor allem müssen sich junge Leute, die diesen Beruf ergreifen wollen, darüber im Klaren sein, dass das definitiv kein Nine-to-five-Job ist. Ohne vollen Einsatz geht es nicht!


Danke fürs Gespräch! Verraten Sie uns am Ende noch, was es mit den Kauschen auf sich hat?
Kauschen sind Ösen, die in das Segel gepresst werden, um das Segel am Mast zu befestigen. Auch verlaufen Leinen durch Kauschen, mit deren Hilfe man bei schlechtem Wetter die Segelfläche reffen, d. h. verkleinern kann. Nur ein Amateur (lacht) bezeichnet aber eine Kausch als Öse. 

 

Werner Fritz
Früh mit dem Segelvirus infiziert, brachte es Werner Fritz bis zum Vizeweltmeister in den Bootsklassen Star, Drachen und H-Boot. Die Segelmacherei am Chiemsee übernahm er von seinem Vater. Heute beschäftigt sein Meisterbetrieb 13 Mitarbeiter, darunter aktuell zwei Auszubildende. Sein Beruf führt ihn immer wieder ans Meer, etwa nach Palma oder nach Südfrankreich. Müßiggang kann sich ein Segelmacher jedoch nicht erlauben: »Ich sehe da nicht viel mehr als den jeweiligen Yachtclub. Genauer gesagt: den Yachtclub, den Weg dorthin, abends mein Hotel.« Kontakt: www.fritz-segel.com

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Weitere Infos zur Ausbildung zur/-m Segelmacher/-in gibt es HIER.

 

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